Boris Kovac & Labaada Orchest -
"The last Balkan Tango"
So ganz zu vergleichen ist es nicht - aber man stelle sich einfach vor: auf der Terasse eines Cafés am See ein Bier trinkend, sieht man vor sich eine Gewitterwand aufsteigen, der man sich nicht entziehen können wird. - Es ist unausweichlich, in den nächsten Minuten ist man gezwungen, das Fahrrad zu besteigen und dort mittendurch zu fahren. Ein Gefühl der Unausweichlichkeit, des "mit sich selbst Seins", der Fügung, des Schicksals und der Gedanke von Weltuntergang beschleichen einen: in diesem Moment genießt man dieses letzte Bier, diesen Augenblick ...
Boris
Kovac & Labaada Orchest - "The last Balkan Tango"
So ähnlich - nur viel globaler zu sehen - ist das, was "The Balkan Tango" mit einem macht: hier wird "zum letzten Tanz" aufgespielt. Immer wieder durchstreichen zarte Tangomelodien, balkaneske Ausflüge in die Regionen von Dracula, und Sprecheransagen, die die Apokalypse heraufbeschwören, die Lieder. Es ist eine Musik, in die sich Musiker und Zuhörer hineinsteigern können, in einem wilden Tanz - wie der Totentanz im Mittelalter anmutend - sich auf den Abgrund zubewegen: ein Abschiedsgelage ohnegleichen.
Dennoch ist die Musik Hoffnung einflößend. Sie ist wunderschön und verzaubert den Hörer, der sich Akkordeonklängen und Klarinettentönen - die, voranschreitend wie die Flötentöne des Rattenfängers von Hameln, einen mitziehen - ausliefern muß, ohne der stillen Macht dieser Klänge etwas entgegensetzen zu können. Balkanmusik, Tanzmusik, Verführungsmusik, die ihresgleichen sucht!
Carina Prange
CD: Boris Kovac & Labaada Orchest - "The Last Balkan Tango"
(Piranha 1573)
Piranha-Records im Internet: www.piranha.de
Cover: Otto Dix "Großstadttryptichon" © VG Bild-Kunst, Bonn 2001