Bei allem zeitgenössischen Compilation-Wahn: Ein Album, auf dem der Rumba-Klassiker "Besame Mucho" neben Nirvanas "Smells Like Teen Spirit" und der Disco-Geschmacksverirrung "YMCA" von Village People zu finden ist, können sich die meisten wohl nur schwerlich vorstellen. Einer Formation namens "SalonSisters" sind Berührungsängste fremd. Im Gegenteil, genau diese Mischung macht den Witz von "SistersLounge", dem Debut-Album des Berliner Quartetts, aus.
SalonSisters
- "SistersLounge"
SalonSisters versehen ihre Instrumente jeweils mit einem Präfix, das schon vieles verrät: Während Schlagzeuger Tim Lorenz den Puls der Beat-Dekade vorgibt, haut Fred Sauer in die Tasten seiner "Porno-Orgel", greift Thomas Hopf in die Saiten der "Surf-Gitarre" und Helge Marx in die seines "Beat-Basses".
Ob Robbie Williams, Tony Holiday, Janet Jackson oder Andy Williams SalonSisters kennen kein Pardon: Alles wird durch den Retro-Fleischwolf gedreht und kommt als Easy-Listening-Instrumental mit Sixties-Anstrich wieder heraus. Und was zunächst klingt, als würde Alleinunterhalter Manni auf einer Hochzeitsfeier völlig durchdrehen, entwickelt mit zunehmendem Hören tatsächlich ungeahnten Charme.
Seit drei Jahren versorgen SalonSisters den Berliner Hechtclub mit ihrem kruden Retro-Sound. "SistersLounge" ist nun quasi ein Best Of dieser allmonatlichen Veranstaltung. Und ganz plötzlich macht auch eine abgeschmackte Floskel wieder Sinn: Für wahr, dieser bunte Blumenstrauß an Melodien hat es in sich.
Johannes Kloth
CD: SalonSisters - "SistersLounge" (Salon Jaune 269141-01)
SalonSisters im Internet: www.salonsisters.de
Salon Jaune im Internet: www.salonjaune.de
Cover:Camilla Jo Hager