Die Grenzen zwischen Electronic-Jazz, moderner Popmusik und der sogenannten Avantgarde sind am Verschwimmen. Ein gutes Beispiel für diese These ist die vorliegende CD - eine Zusammenarbeit des französischen Komponisten Hector Zazou mit der amerikanischen Sängerin Sandy Dillon - die gleichzeitig eine Synthese und eine Verweigerungshaltung gegenüber allen drei genannten Stilen darstellt.
S.
Dillon & H. Zazou - "12 (Las Vegas is cursed)"
Stark zum Tragen kommt Hector Zazous Hang zu Früh-80er Elektroniksounds, was die Wahl der Loops und Samples angeht. Er setzt aber ebenso großzügig orchestrierte Ensemblesounds ein - Stücke wie "Sandwiched" klingen sicher nicht zufällig nach Neuer Musik. Dies allerdings unterstützt durch E-Gitarre und Schlagzeug. Zazou erzeugt dabei kein kontinuierliches Stimmungsbild, alles bleibt flüchtig - fragmentarisch.
Kurze Ausflüge in tanzbare Regionen enden also jäh in verharrendem Ambient-Sound - die Stimme von Sandy Dillon raunt und krächzt zwischen Don van Vliet und "Raumschiff Orion". Marc Ribots Gitarrengastspiel bei zwei Stücken klingt wunderschön kaputt, ein fast sphärischer Industrialsound - falls so etwas möglich ist.
Mit Sicherheit ein Höhepunkt der CD ist das Captain Beefheart-Stück "Her eyes are a blue million miles" - hier kommt ausnahmsweise Songcharakter durch. Ansonsten eine sperrige Platte, die viele interessante Facetten aufweist, die sich bei häufigem Hören erschließen - sicher aber nicht jedermanns Sache.
Frank Bongers
CD: Hector Zazou & Sandy Dillon - "12 (Las Vegas is cursed)"
(Crammed Discs Cram 097; Vertrieb: Efa-Medien)
Crammed Discs im Internet: www.crammed.be
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Cover: Véronique Vincent