Mit "Dolce Vita" und "Amarcord" tauchen auf dem Cover zu dieser CD gleich zwei Fellini-Bezüge auf. Tatsächlich wird auf diesem Album der Musik von Nino Rota gehuldigt, der durch seine Arbeiten für Federico Fellini bekannt geworden ist. Auf "Amarcord" spielen Klarinette, Bass und Cello einzelne Titel aus den Soundtracks nicht einfach nur nach, sondern überarbeiten sie komplett, sodass beinahe gänzliche Neuerfindungen von Nino Rotas Stücken zustande kommen.
Trio
Dolce Vita - "Amarcord"
Die neun Titel werden vom Trio Dolce Vita be- oder entschleunigt, ästhetisiert oder primitiviert, in Einzelteile demontiert und gänzlich neu montiert. Das verleiht dieser Musik eine neue Frische, eine neue Freiheit, und nimmt ihr etwas von dem ironischen Ton, den die Musik in Fellinis Filmen tendenziell hat. Genau genommen muss man von einer "Jazzisierung" reden, denn die nervösen, doch häufig nach klassischen Mustern gebauten Kompositionen von Rota werden vom Trio Dolce Vita in alle möglichen Spielarten des Jazz verwandelt. So wirkt Rotas Musik auf "Amarcord" befreit von der Last der Bilder, zu denen sie geschrieben wurde.
In seinen autobiografischen Skizzen beschwert sich Fellini ironisch, dass sich Rota seine Filme nie ansah, sondern einschlief, sobald die Lichter im Kinosaal verloschen waren. Anschließend ließ er sich die Handlung des Filmes von Fellini nacherzählen und komponierte die Soundtracks in nur wenigen Tagen. In gewissem Sinne erzählen Claudio Puntin, Jörg Brinkmann und Johannes Fink auf "Amarcord" musikalisch nach, was Rota vor Jahrzehnten vorfabuliert hat. Dadurch wird das Trio Dolce Vita zu kongenialen Nachlassverwaltern, die Altbekanntes runderneuern und ihm einen neuen Sinn verleihen.
Michael Freerix
CD: Trio Dolce Vita - "Amarcord" (jazzwerkstatt 082)
Claudio Puntin im Internet: www.myspace.com/claudiopuntin
Jazzwerkstatt im Internet: www.records-cd.com
Cover: n.n.