Die zweite CD ist nie so gut wie die erste. Dieses Manifest ist fast so unumstößlich wie das ein Kamel durchs Nadelöhr geht. Niemand vermag eigentlich zu sagen, woran sich diese Behauptung festmachen lässt, aber irgendwie hat sie sich durchgesetzt. War das erste Werk von Vampire Weekend noch eine richtige Überraschung, so ist das zweite nur so – naja. Oder vielleicht doch nicht?
Pablo
Held - "Music"
Im Falle von Pablo Held, 23-jähriges Tastenwunder aus Herdecke, kann man diese Behauptung so jedenfalls nicht aufrecht erhalten. Schlicht „Music“ ist seine CD betitelt, jeweils zwei Buchstaben verteilt auf drei ordinäre Blechdosen – so zeigt es das Cover. Den Inhalt dieser Dosen kann man nur erahnen. Legt man aber die oberflächlich schwarz mattierte Silberscheibe in den Player, so sprudelt einem förmlich ein Notenfluss ins Ohr, den man so schnell gar nicht aufhalten kann.
Dabei bemüht sich Pablo Held mit seinen beiden Mitstreitern Jonas Burgwinkel, Schlagzeug, und Robert Landfermann, Bass, durchaus, dem Hörer durch langsames, eindringliches Spiel seine Musikauffassung nahe zu bringen. Aber folgen kann man ihm in der Tiefe nur schwer. Zu schwierig erscheinen seine Akkordauflösungen, Arpeggien und präludierenden Umschreibungen, und doch sind sie im Klang so einfach und rein wie frisch gefallener Schnee. Wie passend ist da ein Titel wie „O Sacrum Convivium“ eines Olivier Messiaen, der nahtlos in den Kontext dieser Einspielungen von Eigenkompositionen passt.
„Music“ besticht durch intime Kleinodien, die das Ohr verwöhnen. Diese Musik ist eindringlicher, atmosphärischer und komplexer als so manch andere Einspielung der Gattung Pianotrio. „Music“ ist definitiv ein tiefer einblick in die Musik der Zukunft des Pablo Held.
Hermann Mennenga
CD: Pablo Held - "Music" (Pirouet Records PIT3045)
Pablo Held im Internet: www.myspace.com/pabloheld
Pirouet Records im Internet: www.pirouet.de
Cover: n.n.