Der akustische Bass, verschiedene Blasinstrumente und das Klavier stellen die Eckdaten dar, zwischen denen dieses Trio miteinander musiziert. Obwohl Leimguber, Demierre und Phillips komplett analoge Klangwelten zelebrieren, klingen die acht Stücke ihrer neuen CD nicht selten wie digitale Klangwelten.
Leimgruber/
Demierre/ Phillips - "Albeit"
Es setzt in Erstaunen, wie hier Obertonreihen auf dem Saxophon, das abgedämpfte und gezupfte Klavier und der Bass zusammenfinden, als wären diese Einspielungen am Laptop entstanden. Dass dem nicht so ist, gehört zur unverwechselbaren Stärke dieses Trios.
Sicher spielt dabei eine große Rolle, dass die drei bereits seit Jahren zusammenarbeiten man kann diese gemeinsame Spielerfahrung praktisch "riechen". Jazz ist hier als gemeinsamer Hintergrund sicher wichtig, löst sich aber im Zusammenspiel mehr und mehr auf und wird zu etwas Kammermusikalischem.
Die Spieler beobachten sich gegenseitig, nehmen Motive untereinander auf, ergänzen diese, zerspielen sie und horchen praktisch in die sich umschleichenden Töne hinein. Alles bleibt dabei aggressiv und rau, ganz frisch wie improvisierte Musik sein sollte. Trotzdem gibt es auch immer wieder Stille, ein Zurücktreten von Zweien gegenüber einem Einzelnen, wodurch hier die Balance zwischen den drei Individuen wunderbar hergestellt wird. Und dem Hörer Raum gelassen wird, zuzuhören.
Obwohl Barre Phillips bereits seit den 60er Jahren freie Musik macht und der Veteran in diesem Trio ist dominiert er das Zusammenspiel mit Leimgruber und Demierre nicht. An nur einem einzigen Tag entstanden bildet "Albeit" hörbar die gemeinsame Einspielung eines Trios, das bereits seit Jahren in engem Austausch miteinander steht. Diese CD ist eine Reise in einen Klangkosmos voller überraschender Knicke und Wendungen: eine beinahe - physische Klangerfahrung. .
Michael Freerix
CD: Leimgruber/ Demierre/ Phillips - "Albeit"
(Jazzwerkstatt jw 074)
Jazzwerktstatt Records im Internet: www.records-cd.com
Cover: Klaus Untiet