Es ist ein getriebenes und gleichzeitig treibendes Werk, das Pianist Nik Bärtsch mit "Holon" gelungen ist. Der Schweizer Musiker und Komponist, dessen Aussehen an eine Mischung aus asketischem Zen-Buddhisten und in wallende Gewänder gekleidetem asiatischem Kampfsportler erinnert, scheint diese seine äußere Erscheinung auch in seiner Musik widerzuspiegeln.
Nik
Bärtsch's Ronin - "Holon"
So sind die minimalistischen, häufig repetitiven Muster der Musik mal relaxt und verträumt, dann wieder scheinen sie unvermittelt unter Hochspannung zu stehen, einen in ihrer Wirkung nahezu überrollend. Bärtsch selbst umschreibt die auf starker gegenseitiger Wechselwirkung beruhende Arbeitsweise seiner Band Ronin als "spiral continuum" - seine musikalischen Zuarbeiter dabei sind Sha (cl, sax), Björn Meyer (b), Kaspar Rast (dr) und Andi Putato (perc). So sehr uns diese Musik für die Band einnimmt und in einen Strudel aus pulsierenden Tönen und Ideenfragmenten reißt, so sehr fühlt man sich in diesem Fluß gelegentlich auch verloren.
Keine Frage, "Holon" ist eines der genialsten Alben dieses Frühjahrs, so eigen- wie einzigartig. Hier hat jemand - nämlich Nik Bärtsch - eine ganz genaue Vorstellung von dem, wo er hin will. Und er schägt den Hörer mit seiner Musik fest in seinen Bann. Einziger Wehrmutstropfen: das Gesamtbild aus Musik und leicht düsterer stylischer Fashion, der hier spürbare Schwarzträger-Meditationskosmos, wirken aufgesetzt und extrem inszeniert, seine Radikalität fast sektenartig. Dennoch, dem Hören der CD und dem puren Genuss an diesen freischwebenden, in nahezu mathematisch anmutender Stringenz gespielten Klängen tut das keinen Abbruch.
Carina Prange
CD: Nik Bärtsch's Ronin - "Holon" (ECM 06025 174 8672)
Nik Bärtsch im Internet: www.nikbaertsch.com
ECM Records im Internet: www.ecmrecords.com
Cover: Sascha Kleis