Charles Lloyd widmet sich hier gleich auf einer Doppel-CD sowohl eigenen Stücken, als auch Klassikern der Bereiche Jazz und Weltmusik. Mögen auch die Kompositionen einen Rahmen vorgeben, Saxophonist Lloyd sprengt diesen bei jeder Gelegenheit genüsslich. Gleich einer unendlichen Session meditativer musikalischer Permutationen räumt er seinen Mitstreitern breiten Raum für intensive Soli ein.
Charles
Lloyd - "Lift Every Voice"
Die Stimme zu erheben - "Lift every voice" - versteht Lloyd allerdings nicht nur in rein musikalischer Hinsicht. Das vorliegende Album stellt gleichermaßen sein Statement zu den Ereignissen des 9-11 dar, von denen auch Lloyd persönlich betroffen war. Unter diesem Eindruck stellten sich für Lloyd die Weichen für die Zusammenstellung dieser Aufnahmen, entstand das Bedürfnis, so seine Trauer und Fassungslosigkeit zu artikulieren.
Die Stimme zu erheben - diese Möglichkeit bietet Lloyd auch jedem seiner Musiker: Geri Allen am Piano, John Abercrombie an der Gitarre, Marc Johnson oder Larry Grenadier am Bass und Billy Hart an den Drums. Daß Lloyd sich hochkarätige Musiker ins Studio holt, die seiner heutigen Auffasssung von Musik nahestehen, ist selbstverständlich. Erstaunlich hingegen muten die Gelassenheit, die Ruhe, die Weisheit und die gefühlte Tiefe der Kompositionen an. Man könnte sich an Miles Davis' Sessioneinspielungen erinnert fühlen - nur eben mit meditativem, in sich ruhendem Charakter.
Was nicht heißen soll, daß auf diesem Album nicht auch Raum für freies, impulsives Spiel mit schrägen Rhythmen sei - nur, auch dieses strahlt Ruhe aus. Sicherlich ein Meisterwerk und eine Überraschung für diejenigen, die mit früheren Charles Lloyd-Alben zu vergleichen suchen: Aufgeregtheit und Experiment sind der inneren Einkehr gewichen.
Carina Prange
CD: Charles Lloyd - "Lift every voice" (ECM 1832/33)
ECM-Records im Internet: www.ecmrecords.com
Cover: Dieter Rehm / Ulrike Körner