Jonas Schoen - "Hamburg, Berlin, Germany"
In der Hamburger Musikszene mit viel Engagement dabei - auch im Zusammenhang mit dem Jazzbüro Hamburg in das Treiben der dortigen Musiker involviert - hat Jonas Schoen nun in Berlin mit seiner Frau und seinen drei geliebten Kindern ein neues Zuhause gefunden. Derzeit kurz bevor steht die Tournee mit dem für den "Preis der Deutschen Schallplattenkritik" nominierten Jonas Schoen-Quartett, aber auch in anderen Projekten läßt Schoen von sich hören.
Jonas Schoen (K-H. Breiholz)
Seit der Gründung seines Labels "Schoener Hören" ist Jonas Schoen außerdem auch noch sein eigener Labelchef und Promoter. Daß die Labelgründung eher "nicht ganz freiwillig" aus finanziellen Aspekten zur Notwendigkeit wurde, kann jeder Musiker nachvollziehen, der schon einmal mit Ausdauer und Mühe verzweifelt nach einem "vernünftigen Label" gesucht hat.
Allerdings bedeutet der Besitz eines Labels oder des Labelcodes noch lange nicht, daß man darüber ganz viele CDs an den Mann bringen kann. Schoen dazu: "Der direkte Verkauf geht in erster Linie nicht über die Website des Labels, sondern über die Konzerte. Über das Internet werden vielleicht zwei CDs pro Monat bestellt. Das ist zur Zeit kein wesentlicher Faktor. Wenn ich ein Label fände, daß sich wirklich für mich einsetzen will, würde ich durchaus in Betracht ziehen, zu wechseln."
Vom Label zurück zur Musik: Jonas Schoen spielt Saxophon, Baßklarinette, gelegentlich auch Flöte, komponiert für seine Bandprojekte, schreibt Bigbandstücke und Filmmusiken und ist ein ebenso begeisterter Livemusiker. Nach seinen Lieblingsinstrumenten gefragt, antwortet er: "Ich habe ein altes, etwas klappriges Altsax - aber ein Instrument mit einem so schönen Klang, daß ich mein Selmer gleich verkauft habe, als ich das bekam. Das Sopran hingegen ist ein ganz normales Yamaha - mein erstes - ich besitze es seit ich 16 bin. Das funktioniert so gut - so wie es ist, soll es sein! Ich probiere keine anderen Sopransaxophone und keine anderen Mundstücke."
Die Entscheidung, ob für ein bestimmtes Musikstück ein Saxophon
oder eine Klarinette verwendet wird, hängt für Jonas von der
Tonlage, der Stimmung oder dem Ausdruck des jeweiligen Stückes ab:
"Es gibt natürlich auch welche, bei denen ich das so oder so
machen könnte... - Die Baßklarinette verwende ich eher für
getragene Sachen - in den hohen Lagen hat jeder Ton eine andere Farbe,
was ich mag. Vorbild ist hier ganz stark Benny Maupin - eher als
z.B. Eric Dolphy."
Jonas
Schoen an der Baßklarinette
Der Umzug nach Berlin hatte seinerzeit private Gründe - im Ergebnis
bietet er neue Chancen und gleichzeitig die Möglichkeit, die alten
Kontakte zu einer Szene "außerhalb" für sich zu nutzen:
"Es ist ja im Grunde genommen so - was die wirklich künstlerisch
wichtigen Projekte angeht - entweder man spielt in ganz Deutschland,
oder es lohnt sich sowieso nicht! - Die Gefahr für manche der aus
Berlin stammenden Musiker besteht darin, daß sie zweimal im Jahr
eine "Berlin-Tournée" machen - und der Rest der Republik
bekommt davon gar nichts mit. Das passiert den Leuten, die von woanders
kommen möglicherweise nicht so schnell. - Der Bezug zu einer anderen
Szene ist da ganz hilfreich. Meine Band setzt sich ja auch aus Berlinern
und Hamburgern zusammen."
Jonas Schoens Saxophonspiel läßt sich in erster Linie als "melodiös und lyrisch" bezeichnen. Spielt das Jonas Schoen Quartett in erster Linie jene seiner Eigenkompositionen, die sich im Bereich des Modern Jazz bewegen - mit Tendenz zum Mainstream -, so ist Jonas Schoen auch in ganz anderen Konstellationen zu Hause: im jahrelang konstanten, "wenn auch sporadischen" Duo mit Mischa Schumann, dann auf der gerade auf Schoener Hören erschienenen CD "Evantgarde" mit der Band von Eva Brüggemann. Hier kann außerdem noch das Schoen-Projekt "Mixed up" erwähnt werden, bei dem Hip Hop mit Jazz und Elektronik vermengt wurde. Es bleibt die Frage, was für Schoen diese verschiedenen Ausrichtungen zusammenhält, wo er die Schwerpunkte sieht: "Die Gemeinsamkeit bin ich! Ich will da auch keine Schwerpunkte benennen, denn die wechseln - mal ist das eine, mal das andere im Fokus. Rein innerlich sind für mich alle Projekte relevante Geschichten und bleiben es auch!"
Jonas
Schoen Quartett
Das Schreiben von Filmmusiken ist eine Tätigkeit, die ebenfalls
viel Kreativität - wenn auch anders geartet - erfordert. Über
seine Herangehensweise an deren Komposition und die Inspirationsquellen
äußert sich Schoen folgendermaßen:
"Ein Drehbuch allein als Vorlage ist mir oft zu hölzern. Zunächst
sammle ich. Richtig ernst wird es, wenn der Film fertig geschnitten ist,
von da ab versuche ich - von nicht mehr als drei bis dahin erarbeiteten
Motiven ausgehend - die ganze Filmmusik aufzubauen. Und das funktioniert
auch ganz gut. Erst ist man nur am Suchen und Fummeln - nach zwei, drei
Wochen merkt man, daß Musik wie ein "Nebel" um einen herum
entsteht. Der wird immer dichter - und wenn das motivisch schlüssig
bleibt, ist das ein ganz angenehmer Zustand. Das ist vergleichbar mit
Weinranken - die fangen irgendwo an zu wachsen, und schließlich
ist die ganze Wand voll damit. "
Sehr viele Informationen über Jonas Schoen findet man über dessen Website. Die Möglichkeit, aber nicht den Zwang zur Information sieht Schoen als "große Chance des Internets". Seine Arbeit im Bereich der Bemusterung von Veranstaltern wird dadurch wesentlich erweitert: "Auf die Gefahr hin, daß man manchen Leuten tierisch auf den Wecker geht, kann jede Sache, die passiert und irgendwie relevant für den persönlichen Werdegang ist, möglichst vielen Leute zugänglich sein, die sonst nicht die Chance hätten, zu reagieren!"
Jonas
Schoen Quartett - "Neindo" (Schoener Hören, 2000)
Für die Zukunft äußerte Jonas Schoen den Wunsch, unbedingt eine - "so richtig meine!" - Bigband-Platte machen zu wollen, mit eigenen Kompositionen. In diesen Tagen verspricht dieser Wunsch Realität zu werden: vom Berliner Senat erhält Jonas eine personengebundene Förderung zur "Realisierung eines Kompositionsvorhabens für Bigband". Ein Programm von 60 - 90 Minuten soll das Ergebnis sein. Auf die Umsetzung kann man sicher gespannt sein ...
Carina Prange
Jonas Schoen im Internet: www.jonas-schoen.de
Fotos: Karl-Heinz Breiholz, n.n.