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Mack Goldsbury - "Von New York nach Berlin"

Etwas, das er absolut nicht leiden kann, ist die Gier von Menschen - frei nach dem Motto: "Der Besitz von mehr Dingen vermindert nicht nur den Genuß, er vermehrt auch den Verdruß - ob´s mit Verschenken besser ginge? * " - Ganz so meint er es nicht, sondern vielmehr äußert sich Mack Goldsbury folgendermaßen: "Die meisten Probleme der Menschen werden durch Gier erzeugt. Die Menschen wollen einfach alles. Ich mag gierige Leute nicht. Ich denke, wir sollten mehr zu teilen bereit sein. Du solltest schon selbst deine eigenen Dinge haben - ich mag auch all´ die Dinge, die ich habe, ich liebe sie alle. Aber es muß nicht jeder so viel haben und so gierig sein."

Musiker, die mit Mack Goldsbury zusammen-arbeiteten, bezeichnen ihn als den friedfertigsten Menschen, den sie kennen, und er strahlt tatsächlich eine ungeheure Gemütlichkeit und Ausgeglichenheit aus. Und das, obwohl er noch vor wenigen Jahren von einem Journalisten als "Jazzaholic" bezeichnet wurde. Zu der Zeit hat Mack allerdings noch jeden Job gemacht, den er kriegen konnte - hat sich in allen verschiedenen Jazzsparten bewegt und keine Möglichkeit zu spielen ausgelassen. Heute versucht er, mehr zu selektieren; das zu spielen, was ihm wirklich wichtig ist und zusätzlich Zeit für seine Kinder zu erübrigen (die dann auch mit viel Musik angefüllt ist), oder für Ausflüge in die Natur. Aber er spielt noch immer mit ungemeinem Spaß und ungebrochener Energie.

In New York, wohin es ihn nach Texas und Californien für einige Zeit verschlug, leitete er mehrere eigene Bands - seine eingespielten CDs haben heute die Anzahl von 30 bereits überschritten. Seit Mack in Berlin lebt, ist er mehr als Sideman zu sehen und zu hören - nach den langen Jahren in New York ist er ein wenig des Organisierens müde geworden, und das ist ihm nicht zu verdenken. Dafür ist er hier einer von denen, die ständig angerufen werden - er ist gefragt und zwar bei den unterschiedlichsten Musikern und Bands: "Zum Schluß habe ich in New York angefangen, nur noch Projekte mit Leuten zu machen, die mich angerufen hatten. Und ich denke, daß es ein Privileg ist, daß andere Musiker wollen, daß du mit ihnen spielst. Es ist eine wichtige Sache, daß sie dich engagieren. Und du lernst eine Menge über die Musik der Leute. Jeder schreibt auch anders ..." - Hier zeigt sich, wer sich im Laufe der Jahre einen guten Ruf erarbeitet hat ...

Das Interesse für Musik wurde bei Mack schon sehr früh geweckt - es ist schon praktisch, wenn man einen Vater hat, der im Fernsehen mit Musik etwas bewegt: "Mein Vater hat Violine gespielt. Country und Western Musik und ein wenig Jazz. Und er hatte eine Show als das Fernsehen neu nach Texas kam. Sie hatten jeweils den Freitag- und Samstagabend mit ihrer Band. - Er spielte, und so hörte ich ihn immer spielen und habe angefangen, bereits als ganz kleines Kind Musik zu machen; sobald ich ein Instrument halten konnte, etwa so mit drei Jahren.

Es folgte nach den ersten Gehversuchen eine Zeit, die Mack jetzt noch als mit die Wichtigste bezeichnen würde, in der er viele heute ebenfalls berühmte Musiker kennenlernte, und selber so viel vom Jazz und von Musik im Allgemeinen begriff: Es war die Zeit der Jazz-Schulen in Californien, wo er schon als Jugendlicher viele Kenntnisse und Kontakte erwarb. Nebenbei lernte Mack auch, daß sein Gedanke, vielleicht "ein ganz normaler Lehrer" zu werden, nicht in die Tat umzusetzen war, denn die "education courses" an der Uni fand er langweilig und mochte sie deshalb nicht. Also spielte und spielte er ...

Und wie das Leben so spielt, trat er zwischendurch auch ab und zu mal in Berlin auf - während er noch in New York lebte. Als eine Entscheidung gefällt werden mußte, wohin man gehen würde, um dieser damals sehr heftigen Metropole zu entfliehen, kam Mack nach Städten in Texas und Kalifornien ganz plötzlich Berlin in den Sinn. Und da sie Kinder haben wollten, und da seine Frau ebenfalls Lust dazu hatte, es hier zu probieren, ging man einfach hierher. - Inzwischen kriegt die beiden so schnell nichts mehr aus Berlin weg, denn abgesehen von ihren beiden Kindern ist in absehbarer Zeit auch ein Eigenheim in Sicht.

Fragt man ihn nach seinen Instrumenten, erwartet einen ebenfalls ein breites Spektrum - wie bei den musikalischen Stilen - aber die Schwerpunkte sind hier doch andere: "Mein Hauptinstrument ist das Tenor-Saxophon. Ich spielte viele Jahre lang Tenor, dann begann ich, Sopran-Saxophon zu spielen. Ich blies auch das Sopran sehr viel, machte viele Aufnahmen damit und liebte es sehr. Aber an das Tenor-Sax kommt nichts heran - bei dem Instrument habe ich ganz besonders das Gefühl, dieses spezielle Instrument sei meine Stimme. Wenn du spielst, 'singst' du damit, es klingt genau wie das, was du in deinem Kopf hörst. Das ist beim Sopran-Saxophon inzwischen auch fast so. Außerdem ist es ähnlich bei Flöte und Piccolo. - Ich habe mal Klarinette gespielt, aber das tue ich heute nur noch wenig." Mack Goldsbury gehört zu denjenigen, die in der Tradition des Jazz fast alles einmal gelernt haben, und sieht die Tatsache in und mit der Tradition auf- und gewachsen zu sein als einen wichtigen Punkt an, um gut spielen zu können - jedenfalls für sich selbst.

Gerade neu entstanden sind zwei CDs, die von Macks unermüdlicher Spielleidenschaft zeugen: Die eine mit Ed Schuller (bass), Ernst Bier (drums), Frank Möbus (guitar) und Herb Robertson (trumpet). Die andere ist eine Duo-CD mit Ed Schuller, aufgenommen live im A-Trane. Ja, und was möchte Mack den Menschen vermitteln, vor denen er ständig auf den Brettern steht, die ihm zwar nicht "die Welt" bedeuten, aber doch einen Ausschnitt daraus? : "Ich möchte, daß sie glücklich sind. Ich denke, Musik sollte Leute glücklich machen. Und wenn du etwas hörst, das sehr gut ist, das jemand sehr gut kann, dann ist das großartig. Das empfinde ich auch selber so, wenn ich etwas von anderen sehe und höre. Ich hoffe, daß ich das Gleiche beim Publikum erreichen kann: Daß es sehr gute Musik ist und daß ich sie glücklich gemacht habe, wenn sie am Ende aus dem Raum gehen."

Carina Prange

* Das Zitat lautet eigentlich:
"Der Besitz zu mehr Dinge
vermindert nicht nur den Genuß,
er vermehrt auch den Verdruß -
ob´s mit Verschenken besser ginge?"
© jazzdimensions2000
erschienen: 9.11.1999
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